Wie gehe ich mit größeren Herausforderungen in meinem Leben um?

Jeder von uns kann von täglichen Herausforderungen sowohl im Privaten wie in der Arbeit berichten und von seiner eigenen Art und Weise, wie er damit umgeht. Je größer die Aufgaben werden, umso mehr Kraft und Aufmerksamkeit fordern sie uns ab. Die Überlegung, einen Blog ins Leben zu rufen, darf auch mit der eigenen Geschichte und Vorstellung beginnen, die dieses Thema zum Inhalt hat. Lassen sie mich beginnen.

Nachdem ich meinen Schulabschluss in einer Stadt am Bodensee geschafft hatte und meine Zeit bei der Bundeswehr bevorstand, konnte ich nicht ahnen, was das Leben für mich weiter vorgesehen hatte. Meine Gedanken kreisten um die zukünftige Berufswahl, deren Favorit der Linienpilot war. Leider verstarb meine Mutter in dieser Zeit durch einen unverschuldeten Verkehrsunfall, so dass ich in meiner Trauer nicht die Zuversicht und Kraft hatte, mich zu der entsprechenden Auswahlprüfung anzumelden.

Im Laufe der Bundeswehrzeit reifte in mir der Gedanke für ein Jurastudium heran mit dem Ziel einer Anwaltstätigkeit. Ich empfand es als sehr ungerecht und unrichtig, dass mit meiner Mutter ein geliebter Mensch so früh aus meinem Leben gerissen wurde. Ich hätte ihr noch so viel zu sagen gehabt und unsere gemeinsame Lebenszeit war mit damals 19 Jahren viel zu kurz.

So erlernte ich die Juristerei und all das, was mit Recht und Gerechtigkeit zusammenhängt. Mit der Zulassung zum Rechtsanwalt war ich überzeugt, dass ich zur Reduzierung und Lösung von Streitigkeiten und Konflikten beitragen kann und werde. Je länger ich jedoch diese Tätigkeit als Anwalt lebte, sah ich, dass dieser Grundsatz immer mehr in die Nähe einer Illusion rügte. Die wirklichen Konflikte zwischen Menschen lassen sich eben nicht durch ein Gericht regeln.


Gleichzeitig musste ich mir und den Menschen an meiner Seite zugeben, dass der Anwaltsberuf mich veränderte und ich immer mehr zu einer funktionierenden Marionette wurde. Einen Grund für diese ungute Veränderung sehe ich heute vor allem in der Notwendigkeit, als Anwalt beständig das Sachlichkeitsgebot einhalten zu müssen und einem gehobenen Fehlermanagement.

In der Mitte meines Lebens angelangt, meldete sich der vernachlässigte Mensch wieder in mir und strecke mich so nieder, dass ich mich nach einer Zeit des Haderns und des Zweifels in einer Klinik wiederfand. Heute betrachte ich diese Klinikzeit als großes Geschenk, denn ich durfte mit fachkundiger Hilfe mein Leben in einer Tiefe und Intensitätbetrachten, die mir bis dorthin verschlossen blieb. Das Durchleben und Wiedererleben von bisherigen Lebensgeschehnissen und – abschnitten brachten mich wieder in die Nähe meiner verdrängten und vergessenen Schmerzen, Widerständen und Blockaden. Es ist sehr schmerzhaft und von ungeahnter Wirkung, diese Dinge nochmals zu erleben und zu verarbeiten. Die hierdurch erlangten Erfahrungen und Erkenntnisse brachten mir jedoch meinen Mut und Hoffnung für mein weiteres Leben zurück. Und ich spürte mit dem Stolz, diese Zeit überlebt zu haben, auch wieder mehr Zuversicht in meine eigenen Möglichkeiten.

Wie habe ich es geschafft, diese Zeit zu überleben? Hierfür habe ich langjährige Gedanken „über Bord werfen“ dürfen und neue Entscheidungen für mich getroffen:

1.Ich mache weiter, auch wenn ich nicht weiß, was kommt.

2.Die Situation ist schwer zu ertragen, doch irgendwie spüre ich, dass es jetzt besser wird.

3.Es ist keine Schande, nach Hilfe zu fragen und mir auch wirklich helfen zu lassen.

4.Ich gebe meinen Wunsch für eine bessere Vergangenheit auf.

Hiernach baute ich eine eigene Anwaltskanzlei auf, absolvierte die Ausbildungen zum systemischen Coach und zum Prozessbegleiter. Auf dieser Grundlage konnte ich zusammen mit meinen Mandanten die Dinge aus verschiedenen Richtungen betrachten und gemeinsam tragfähigere Lösungen erarbeiten.

Mein Glaube daran, mein Leben wieder „aufgegleist“ zu haben, wurde durch einen Skiunfall im Jahr 2015 schwer erschüttert. Ich wurde unverschuldet umgefahren und stürzte auf die vereiste Piste. Zum Glück hatte ich einen Helm getragen. Da sich mein Körper von den erlittenen Verletzungen nicht erholen wollte, ging ich wieder für eine längere Zeit in eine Klinik.

In dieser erneuten Klinikzeit durfte ich für mein Leben zu weiteren Erkenntnissen vor allem im Umgang mit körperlichen Schmerzen gelangen. Das Durchleben dieser für mich schwierigen Zeit mit all den Einschränkungen, Unsicherheiten und Ängsten war für mich erneut prägend und hat mich darin gestärkt, Menschen Mut und Zuversicht zuzusprechen, die Vergleichbares erleiden oder erlitten haben.

Wie habe ich es geschafft, auch diese Zeit mit erheblichen körperlichen Schmerzen zu überleben? Auch nur, indem ich für mich neue Denkrichtungen wählte:

1.Ignoriere niemals einen körperlichen Schmerz, sonst vergrößert er sich und bleibt bei dir.

2.Spüre in deinen Schmerz hinein und hinterfrage, was er dir mitteilen möchte. Er hat je nach Intensität eine entsprechende Botschaft für dich.

3.Dein Körper nimmt sich selbst die Zeit zur Gesundung, die er hierzu braucht. Sei geduldig.

Es ist im Grunde egal, was im Leben geschieht. Es soll genauso geschehen, wie es geschieht. Es ist an uns, es so anzunehmen, wie es ist. Ich selbst wünsche mir, dass ich an jedem Tag die vielen Zeichen und Hinweise erkenne, die für mein Weiterkommen und meine Entfaltung da sind. Es ist das Lächeln eines anderen Menschen, ein Sonnenuntergang, ein gutes Gespräch, schöne Musik oder auch ein wohl gemeinter Hinweis auf Seiten in mir, an denen ich weiterarbeiten darf.

Heute bin ich überzeugt, dass das Leben selbst uns der Wahrheit und der eigenen Weisheit näherbringt. Die Geschehnisse in meinem Leben haben mich auch ermuntert, meine Wertearchitektur sowohl als Unternehmer wie auch als privater Mensch zu überdenken. Von besonderer Bedeutung sind für mich die Werte Struktur, Ordnung und Klarheit. Ich glaube, dass diese Werte uns alle angehen und die uns bei tieferer Betrachtung Mitgefühl, Ruhe und Frieden bringen. Und vor allem einen ehrlichen Zugang zu unserer Mitmenschlichkeit, die uns für ein zukünftiges gutes Miteinander laut zur Verwirklichung aufruft.

Fazit:  Wir alle sehen täglich kleine und größere Aufgaben in unserem Alltag, die uns zu Handlungen herausfordern, die wir mit unseren Fähigkeiten und Talenten meistern. Wir haben die große Freiheit, in jedem Augenblick Entscheidungen für uns treffen zu dürfen. Was wollen wir mehr?

Mit lieben Grüßen

Michael Pross

P.S.: Ich stelle mir vor, auf dieser Grundlage weitere Beiträge zu unseren Entscheidungen, Werten und Handlungen folgen zu lassen. Ich freue mich über Kommentare und eigene Beiträge, die dieses Thema fördern und fordern, damit wir einen guten Umgang mit unseren alltäglichen Herausforderungen finden.

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